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Zurück aus Hawaii

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Jürg_Mallepell_Triathlon_Exersuisse

Lesen Sie den Erfahrungsbericht vom Iron Man 2015 auf Hawaii von Jürg Mallepell: 

«Wenn schon Platzen, dann richtig.

Schwimmen top, Rad top, obwohl ich auf den letzten 20km im Gegenwind bereits mit leichten Krämpfen zu kämpfen hatte. Laufen flop, (sich irgendwie fortbewegen) Die Krämpfe waren auf den ersten Metern bereits so stark, dass sogar das Spazieren fast nicht möglich war. Nach den ersten 16 Zurüpckkm habe ich mich leicht erholt, und konnte die 8 km bis zum Natural-Energy-Lap leicht joggen. Dann war der Ofen aber ganz aus.

Ich kann mein Rennen mit dem Skiweltcup vergleichen: Ich habe zwei kleine Kristallkugeln gewonnen, bin aber am Gesamtweltcup klar gescheitert.

Trotzdem, ich habe jetzt einen Ironman auch einmal von einer ganz anderen Seite gesehen. Es hätte nicht auf Hawaii sein müssen, aber es war die Erfahrung wert.

Doch beginnen wir von vorne. Aufstehen, Morgenessen, WC alles nach Plan. Anstehen beim BodyPainting, beim Wiegen, beim «die verschiedenen Säcke» abgeben und beim letzten Rad-Check, alles nach Plan, so konnte es weiter gehen. Nach dem Start der Pro’s hiess es für mich einen guten Schwimm-Start-Platz zu erkämpfen. Ich versuchte mich irgendwie vorne links in der ersten Reihe zu halten. Im gut 20Min. dauernden Vorstartprozedere bewegten wir uns sicher ca.50m nach vorne, Fehlstart um 06:45Uhr inklusive. Der Kanonenschuss zum Start um 6:50 Uhr erlöste mich von dem Startplatzgeplänkel; nun ging die Post wirklich ab. Mein Optimismus in meine Schwimmform stellte ich kurz darauf in Frage, so brutal hoch war die Pace. Es gelang mir, mich links ein wenig frei zu schwimmen, um so in meinen Rhythmus zu gelangen. Das Meer war ähnlich „ruhig“ wie eine Woche zuvor beim Hoala-Testschwimmen, und so bewegte sich auch meine Schwimmzeit in diesem Rahmen.

Den Ausstieg über die komfortable Treppe erwischte ich gut, die Duschen funktionierten und der Wechselsack wurde einem von den Volunteers gereicht. Ab ins Zelt, aber wo umziehen, es war bereits pumpenvoll. Ich fand einen Platz nahe beim Eingang, und kurze Zeit später klickte ich mich in den Pedalen ein, die Fahrt nach Hawii und zurück konnte beginnen. Dass ich nach dem Schwimmen an der Spitze aus dem Wasser kam, wäre für mich in der Schweiz keine Überraschung gewesen. Aber auf Hawaii, auf diesem Niveau, unglaublich. Es gelang mir, diesen Spitzenplatz bis zum Ende der Radstrecke zu halten und so lief ich als Führender in die zweite Wechselzone ein. Nicht dass es nichts über den Rad-Split zu erzählen gäbe, aber es lief wie geschmiert. „Ja es war heiss, ja wir hatten stellenweise extremen Wind, ja es hatte sogar geregnet“ wären die Antworten auf die wichtigsten Fragen gewesen. Es sah gut aus für mich, das ex. Cervelo P4 von Karin Thürig hatte mich nicht im Stich gelassen. Das Krafttraining (Rumpf/Rücken/Nacken) ermöglichte es mir, praktisch die ganzen 180km in der Aeroposition zu fahren, was sich extrem positiv auf die Radzeit auswirkte. Für das angestrebte Ziel, um 11Stunden zu finishen, hätte nun eine Marathonzeit von 4:30 Std gereicht. Mit dieser Gewissheit startete ich zuversichtlich auf die Laufstrecke.

Doch dann die Ernüchterung auf den ersten Metern der Palani Road, Krämpfe wurden spürbar. Die Beine wollten nicht, wie sie sollten. Ich rief Marie Theres noch flüchtig meine Probleme zu, doch im allgemeinen Begeisterungstaumel der Zuschauer gingen meine Worte unter. Schon vor dem Erreichen der ersten Meilentafel musste ich das erste Mal anhalten, an ein koordiniertes Laufen war nicht mehr zu denken. Der Schock sass mir echt tief in den Knochen, denn 40 km lagen noch vor mir. Zuerst galt es einmal mit der Enttäuschung fertig zu werden. Vorbei war es mit der Aussicht, mein anvisiertes Ziel zu erreichen. Es galt also, den Schalter, von einem Kampf um eine gute Zeit, auf einen Kampf ums Finishen, umzustellen. Für Marie Theres war es beängstigend, für mich war es schmerzhaft, denn ich kam, und kam und kam nicht aus der ersten16 km Schlaufe auf dem Ali Drive zurück. Was auf den 40 km abging, ich könnte ein Buch darüber schreiben. Reden ist Silber, leiden ist Gold. Ich habe eine neue Facette des Ironmans kennengelernt, die Angst, nach Kontrollschluss zu Finishen. Im Natural-Energy-Lap hatte ich die grösste Krise, meine «Gehwerkzeuge» wurden ihren Namen in keinster Weise mehr gerecht. Aber, ich habe mich durchgekämpft und wurde von Mike Reilly mit den Worten: „You are an Ironman* von den Strapazen erlöst.

M 60 – 64 / 36. Jürg Mallepell 01:06:46 05:25:19 06:38:35 13:20:14

Der Mythos Ironman Hawaii lebt, nur er schreibt jedes Jahr neue, schöne, schreckliche und spannende Geschichten 😉

Zum Schluss noch dies: Beim Hoala Testschwimmen gewann ich meine AK in 1:06 Std, und Marie Theres wurde dritte ihrer AK in 1:08Std. Ich ziehe meine Schwimmkappe vor ihr, gelernt ist gelernt.»

jürg_mallepell_hawaii

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